Die Kneipp Anwendungen

Den Namen Kneipp verbinden wir im allgemeinen nur mit Wasser-Anwendungen. Zu den Empfehlungen von Pfarrer Kneipp gehörten aber auch Ratschläge zur gesunden Lebensführung, die man als Bewegungsübung, Ernährungsempfehlungen, Einsatz von Naturheilkräutern, Seelenheilkunde und sein bekanntestes Gebiet die Wasserheilkunde befolgen kann.

Kneipp Wasseranwendungen- Allgemeines

Wasseranwendungen werden warm, kalt, wechselwarm und temperiert (ibis 22°c) durchgeführt. Durch diese Anwendungen können Körperfunktionen verstärkt oder gedämpft werden. Die Wirkung beruht aber nicht alleine auf dem Wasser. Die Temperatur, die Richtung, Tageszeit und die Kombination mit Heilkräutern sind weitere Kräfte, die wir zur Gesundung nutzen können.

Nach der Art der Anwendung kennen wir:

  • Waschungen
  • Bäder
  • Güsse
  • Wickel
  • Packungen
  • Dämpfe

Diese Anwendung werden in Ruhe oder in Bewegung durchgeführt.

Grundsätzliches für die richtige Anwendung des Wassers:

  • Kaltes Wasser soll niemals auf einem kalten oder ausgekühltem Körper angewendet werden. Deshalb sollte der Körper durch warmes Wasser oder durch Bewegung erwärmt werden.
  • Nach Kaltwasseranwendungen innerhalb von 10-15 Minuten den Körper wieder erwärmen. Also nicht ohne Bewegung sitzen oder stehen.
  • Nach warmen Anwendungen möglichst 30-60 Minuten nachruhen.
  • Während der Anwendungen sich nicht irgendwie beschäftigen. Also kein Lesen, Radio hören oder sich unterhalten.
  • Keine Nahrungsaufnahme mindestens 30 Minuten vorher.
  • Zwischen den Anwendungen 2-3 Stunden vergehen lassen.
  • Das Wasser nach den Anwendungen auf der Haut trocknen lassen. Das Wasser nur abstreifen und dann mit der noch feuchten Haut in die Kleidung schlüpfen.
  • Frauen sollten während der Monatsregel nur Anwendungen am Oberkörper duchführen.

Wasser übt immer einen Reiz auf den Organismus aus. Dieser Reiz soll dann eine Reaktion aus. Die Reaktion hängt vom der Situation des Menschen und der Reizstärke ab.

Temperatureinteilung von Wasser während der Anwendung:

  • 0 - 18°C kalt
  • bis 22°C temperiert
  • 23 - 32°C zu geringe Reaktion
  • 33 - 35°C Haut- od. Indifferenztemperatur
  • 36 - 38°C warm, und
  • bis 41 - 44°C heiß und sehr heiß

Je weiter sich die Anwendungstemperatur von der Hauttemperatur entfernt desto stärker wird der Reiz.

Zur Zeitdauer kann gesagt werden, bei kalten Anwendungen, je mehr Sekunden und bei warmen oder heißen Anwendungen, je mehr Minuten, desto stärker der Reiz und damit die Reaktion.

Durch die Größe der Anwendungsfläche kann ebenfalls die Stärke des Reizes beinflusst werden.

Es ist aber immer darauf zu achten das jeder Organismus individuell auf Reize reagiert. Im Zweifelsfall sollte immer der Arzt entscheiden.

Das Prinzip des Trainings trifft auch auf die Wasserheilkunde zu. Wenn also Reize systematisch angewendet werden (z.B. als Kur) so erreicht man eine maximale Leistungssteigerung, mit dem zusätzlichen Erfolg der Abhärtung. Das heißt unser Körper ist besser angepasst, geringer Störanfällig und die Belastbarkeit ist erhöht. Leider stumpf die Wirkung auch ab, da sich unser Körper an den Reiz gewöhnt.

Reaktionen und Wirkungen

Ehe kneippsche Anwendungen durchgeführt werden sollte man sich im klaren sein, das immer die individuelle Lage angeschaut werden muss. Wie ist der Kräfte- und Reaktionszustand d.h.: Körperbau (kräfig/schwach), Durchblutung der Haut, Alter, bestehende Krankheiten, Herz- Kreislaufsituation, Körpertemperatur, akute und chronische Prozesse.

Kälte

hat zuerst eine aktive Verengung der Arterien zur Folge. Zu erkennen an Blässe, Gänsehaut, Kältegefühl, Schmerz. Dann erweitern sie die Blutgefäße und die Haut rötet sich, ein Wärmegefühl entsteht.

Wärme

Die Gefäße erweitern sich sofort und die selben Zeichen sind festzustellen wie bei der reaktiven Erwärmung durch Kälte. Achtung = keine Wärmeanwendungen bei Venenerkrankungen!

Hitze

Wird der Körper der Hitze nur kurz (ca. 3 Minuten) ausgesetzt, zeigen sich die selben Reaktionen wie bei Kälte. Längere Anwendungen führt man wechselwarm durch. Wärme und Kälte führen zu einem Gefäßtraining, besserer Durchblutung und die Leistungsfähigkeit des Kreislaufs wird erhöht.

Waschung

Die Haut wird mit gleichmäßigem Druck befeuchtet. Sie dient nicht der Reinigung. Der Raum sollte geschlossen sein, sodaß kein Durchzug entstehen kann. Ein grobes Tuch welches mehrere male zusammengefaltet werden kann wird verwendet. Also kein Waschlappen oder ein Schwamm. Nach Waschungen am Abend, sich nur ins angewärmte Bett legen. Der Reiz wird verstärkt wenn man zu 2 Teilen Wasser 1 Teil Essig hinzu gibt.

Nicht abtrocknen - warum?

Kältereize wiederholen sich durch die entstehende Verdunstungskälte. Blutgefäße ziehen sich aktiv zusammen, was bei erschlafften Geweben sehr nützlich ist. Das Herz wird entlastet. Der Stoffwechsel und die Wärmebildung des Körpers wird erhöht.

Die Waschungen kennt man als:

  • Ganzwaschung
  • Oberkörperwaschung
  • Unterkörperwaschung

Sie fangen immer herzfern (rechte Körperhälfte/rechtes Bein) an.

Im Laden kann ich Ihnen weitere praktische Tipps zur Durchführung von Waschungen geben.

Güsse

Güsse werden immer am warmen Körper durchgeführt. Wenn vorhanden wird ein Schlauch (1-2 cm Durchmesser) genommen oder eine Handbrause. Diese kann oft auch abgeschraubt werden. Die Wassermenge wird so eingestellte daß das Wasser wie ein Mantel um das entsprechende Körperteil fließen kann. Das Wasser sollte immer abfließen können. Also nicht im Wasser stehen! Wird der Guß zu schnell ausgeführt, können Druckgefühl, Schwindel und Beklemmungsgefühle entstehen.

Bei wechselwarmen oder warm/kalt Güssen, fängt man immer mit dem warmen Guss an. Für Menschen mit schlechter Wärmebildung und schlechter Hautdurchblutung hat sich die Anwendung von heiß/kalten Güssen bewährt. Es wird mit einem heißen Guss aufgehört.

Tägliches Abbrausen über längere Zeiträume stumpf den Körper ab. Der Trainigseffekt setzt ein.

Die Güsse kennt man als:

  • Knieguss
  • Armguss
  • Gesichtsguss
  • Schenkelguss
  • Unterguss
  • Oberguss
  • Rückenguss
  • Vollguss

Es empfiehlt sich alle Güsse zuerst trocken zu üben. Dadurch können sie dann zügig durchgeführt werden und einem Frösteln wird vorgebeugt.

Güsse stellen schon eine starke Anwendungsform da. Stärkere Reaktionen können eintreten. Deshalb gibt es Einschränkungen der Anwendungsgebiete.

Wickel

Das anwenden von Wickeln erfordert Vorbereitungen. Am besten im Bett und in einem warmen Zimmer. Kalte Wickel werden nicht am kalten Körper verabreicht. Vorher währe der Körper zu erwärmen.

Kleine Wickel können sofort angelegt werden. Größere Wickel werden mit einem zusätzlichen Wolltuch und einem Zwischentuch angelegt.

Großes Leinentuch

kommt nass direkt auf die Haut

Das Zwischentuch

ist etwas größer als das Nasstuch und sollte luftdurchlässig sein. Gummitücher werden nicht verwendet!

Ein Woll- oder Flanelltuch

umschließt letztlich den Körper.

Zusätze beim Einsatz von Wickeln

Die Wirkung von warmen oder heißen Wickeln können durch Zusätze verstärkt werden. Lehmwickel, Essigwickel, Salzwickel und Senfwickel werden ohne weitere Zusätze verabreicht.

Zusätze können sein:

Heublumen zur örtlichen Reaktionssteigerung und Anregung des Stoffwechsels

Haferstroh wie Heublumen aber milder, stärkt dafür aber besser das Aufweichen der Haut

Zinnkraut günstig bei schlecht heilenden Wunden (Kieselerde/Silicea), Ekzemen.

Kamille wirkt entzündungshemmend und krampflösend

Lehm wirkt entzündungshemmend (Heil- und Lavaerde)

Essig steigert die örtliche Reaktion

Salz reizt die Haut und beschleunigt Wirkungen bei Hautausschlägen

Senf reizt sehr stark! Also Vorsicht und den Arzt fragen. (Praktische Tipps bei mir im Laden)

Alle Zusätze können auch als naturreine Extrakte oder öligen Formen angewendet werden.

Die Wickel kennt man als:

  • Halswickel
  • Handwickel
  • Armwickel
  • Fußwickel
  • Wadenwickel
  • Beinwickel
  • Brustwickel
  • Kurzwickel
  • Lendenwickel
  • Schal

Wie bei allen kneippschen Anwendungen empfiehlt es sich, auch beim Wickel, auf die Nachruhe zu achten!

Da auch Wickel starke Reaktionen auslösen können gibt es für sie auch Beschränkungen. Warme Wadenwickel sind z.B. bei Venenerkrankungen verboten!

Lassen Sie sich beraten.

Packungen

Der Heusack ist wohl die bekannteste Auflageform. Man kann ihn auf fast alle Teile des Körpers legen. Er besitzt eine große Tiefenwirkung und die Wärme wird 1-1 1/2 Stunden abgegeben. Um zu vermeiden das die Hitze zu stark ist legen Sie den Handrücken auf den erwärmten Heublumensack. Es darf eine intensive Wärme empfunden werden. Nach dieser Anwendung kann eine kalte Waschung erfolgen. Dadurch wird die Körpertemperatur wieder reguliert.

Die Heublumenpackung wird nicht bei Krampfzuständen eingesetz!

Die tiefgehende Wärmewirkung wirkt stark durchblutungsfördernd und krampflösend. Reflektorisch wirkt er auch auf innere Organe.

Quark- und Lehmauflagen

Die Wirkung dieser beiden Anwendungen sind inetwa gleich - enzündungshemmend und wärmeentziehend. Die Quarkauflage ist hautschonender. Die Lehmauflage saugt Absonderungen auf und entgiftet so. Heilerde oder Lavaerde wird als Lehmauflage eingesetzt. Akute Entzündungen, Insektenstiche, Blutergüsse, Prellungen werden mit der Lehmauflage behandelt.

Heiße Rolle

Möchten Sie eine lokale feuchte Hitzanwendung durchführen, ist die heiße Rolle sehr gut dazu geeignet. Vorsicht - die große Tiefenwirkung sollte nur nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden. Die praktische Durchführung kann ich Ihnen im Laden erklären.

Bäder

Teilbäder können täglich durchgeführt werden. Vollbäder werden nicht täglich durchgeführt. Die Temperatur spielt bei den einzelnen Bäderarten eine große Rolle. Sie brauchen ein Thermometer und um die Zeit zu kontrollieren eine Uhr. 1 bis 2 Stunden vor und nach den halb, dreiviertiel und Vollbädern sollte auf Mahlzeiten verzichtet werden.

Heiße Bäder wirken anregend, kalte und körperwarme Bäder wirken beruhigend. Heiße Halb- und Vollbäder erhöhen die Körpertemperatur und belasten den Kreislauf und damit natürlich das Herz besonders stark. Nach diesen warmen oder heißen Bäder wird der Körper noch mit einer Ganzkörperwaschung oder einem kalten Guss abgekühlt.

Die Bäder kennt man als:

  • Kalte Bäder
  • Warme Bäder
  • Heiße Bäder
  • Temperaturansteigende Bäder
  • Wechselbäder

Wie bei den Wickeln können die Wirkungen von Bädern durch Zusätze verstärkt werden. Eingesetzt werden: Heublumen, Haferstroh, Zinnkraut, Fichtennadelextrakt, Kamille, Baldrian, Melisse, Lavendel, Rosmarin, Kalmus, Thymian, Eichenrinde u.v.m..

Je nach Körperteil und Temperaturverlauf kennt man folgende Bäder:

Armbäder

Wechselarmbäder

Fußbäder Wechselfußbäder

Ansteigendes Fußbad

Sitzbad

Wechselsitzbad

Halbbad (oft als Kräuterbad)

Dämpfe

Dämpfe werden meistens mit Zusätzen versetzt. Der Dampf fördert stark die Durchblutung an den Stellen der Anwendung.

Ein Gefäß, breit und tief, wird mit kochendem Wasser befüllt. Der Oberkörper ist entblößt und wird mit einem großen Tuch abgedeckt. Der Dampf soll nicht entweichen können. Nach dem Dampfbad wird der Körper durch eine Waschung oder einen kleinen Guss abgekühlt.

Taulaufen, Schneelaufen und Wassertreten

Nach diesen Anwendungen ist die anschließende Erwärmung besonders wichtig.

Wassertreten höchsten 1 Minute durchführen

SCheelaufen bis 3 Minuten

Taulaufen bis 5 Minuten durchführen

 


Sollten Sie Fragen zu den einzelnen Anwendungen haben, stehe ich Ihnen im Laden natürlich zur Verfügung. Als Therapeut im Landesbad Aachen, Schwertbad Aachen, Betreiber einer eigenen physioterapeutischen Praxis und Betreiber einer Sauna, bemühe ich mich Ihre Fragen zu beantworten.

 

All die o.g. Anwendungen stellen einen sehr großen Schatz für Ihre Hausapotheke dar.

 

 

 

 

 

 

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